Open Loops: Warum unerledigte Gedanken Energie rauben
Viele Menschen glauben, sie seien erschöpft, weil sie zu viel tun.
In der Praxis sehe ich oft das Gegenteil:
Sie tun zu vieles nicht zu Ende.
Das Problem heißt nicht Überforderung.
Es heißt Open Loops.
Was sind Open Loops?
Ein Open Loop ist jede begonnene, aber nicht abgeschlossene Handlung:
• eine unbeantwortete Mail
• ein Gedanke ohne Entscheidung
• ein Projekt ohne nächsten Schritt
• ein innerer Konflikt ohne Klärung
Das Gehirn lässt solche Inhalte nicht los.
Sie bleiben aktiv – im Hintergrund, aber dauerhaft!
Psychologisch ist das gut belegt:
Unerledigte Aufgaben beanspruchen mehr kognitive Ressourcen als erledigte.
Warum Open Loops erschöpfen
Jeder offene Loop:
• bindet Aufmerksamkeit
• erhöht innere Unruhe
• verhindert echte Erholung
Das Nervensystem bleibt im Bereitschaftsmodus.
Nicht alarmiert – aber auch nicht entspannt.
Viele Menschen beschreiben das als:
• diffuse Müdigkeit
• Konzentrationsprobleme
• innere Unruhe
• schlechtes Abschalten am Abend

Abb 1.: Gedanken-Spiralvortex
Die 3-Minuten-Regel: Kleine Intervention, große Wirkung
Eine der wirksamsten Strategien ist simpel:
Braucht etwas weniger als drei Minuten?
→ Sofort erledigen.
Warum das funktioniert:
•kein Aufbau eines Open Loops
•sofortiger Abschluss
•messbare Entlastung des Arbeitsgedächtnisses
Abschluss ist kein Produktivitäts-Hack. Abschluss ist Nervensystem-Hygiene.
Kreativität braucht Offenheit – aber nicht endlose Schleifen
Wichtig:
Nicht jeder Open Loop ist schlecht.
Kreativität entsteht durch:
• Anfangen
• Ideen offenhalten
• Möglichkeiten prüfen
Aber Leistung entsteht erst durch:
• Entscheidungen
• Abschlüsse
• klare nächste Schritte
Gesund ist das Gleichgewicht:
• Initiieren und beenden
• Öffnen und schließen
Dauerhaft offen = Energieverlust.
Die gefährlichsten Open Loops: Grübeln
Am belastendsten sind nicht äußere Aufgaben.
Es sind innere Loops:
•„Ich müsste mal…“
•„Ich hätte anders reagieren sollen…“
•„Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll…“
Dieses selbstannagende Grübeln hat keine Lösung – nur Bewegung im Kreis.
TCM-Perspektive: Grübeln erzeugt Schleim
In der chinesischen Medizin gehört Grübeln zum Funktionskreis Milz (=Assimilations-Funktion).
Dauerhaftes Grübeln:
• schwächt die Milz
• erzeugt Schleim
• blockiert den Qi-Fluss
Schleim ist dabei kein poetisches Bild.
Er steht für Trägheit, Reibung, Blockade.
Mentaler Schleim bedeutet:
• langsameres Denken
• weniger Klarheit
• geringere Belastbarkeit
Oder modern gesagt: Sand im Getriebe der Performance.
Warum Abschließen so befreiend wirkt
Abschluss signalisiert dem Gehirn:
• Gefahr vorbei
• Aufgabe erledigt
• Energie wieder frei
Physiologisch sinkt:
• Stressaktivität
• kognitive Last
• innere Spannung
Viele berichten nach konsequentem Abschließen:
• bessere Schlafqualität
• mehr Fokus
• weniger mentale Erschöpfung
Praktische Strategien gegen Open Loops
1. Alles externalisieren
Gedanken gehören auf Papier – nicht ins Gedächtnis.
2. Klare nächste Schritte definieren
Unklarheit ist der Nährboden für Grübeln.
3. 3-Minuten-Regel konsequent anwenden
4. Bewusst abschließen
Auch mental: „Das ist erledigt.“
5. Grübel-Loops erkennen
Nicht alles braucht Lösung – manches braucht Entscheidung.
Fazit
Erschöpfung entsteht nicht nur durch zu viel Arbeit.
Sondern durch zu viele offene Schleifen.
Abschluss ist kein Detail. Abschluss ist Regulation.
Weniger Open Loops bedeuten:
• mehr Ruhe
• mehr Fokus
• mehr echte Energie
Oder in TCM-Sprache: Weniger Schleim – mehr freier Fluss.
